GET WTB 2019 102Foto: Andreas Malessa; Fotograf: O. Richelmann03.07.2019 Wittenberg/JT Was sagen wir heute zu Kornelius und Kornelia? Andreas Malessa predigt auf dem Gemeinde-ermutigungs-tag in Lutherstadt Wittenberg am 30.Juni. Hartmut Bick aus Quedlinburg wird in die Regionalleitung gewählt.
Kornelius, der Hauptmann aus Cäsarea und der Apostel Petrus begegnen sich. Wie es zu der Begegnung kam, welche Rolle der Heilige Geist dabei spielte und welche Grenzüberschreitungen dabei erfolgten, das beleuchtete Andreas Malessa vor gut 120 Teilnehmern in Wittenberg. Genussvoll-herausfordernd war neben der Sprache die Übertragung des Textes in die Gegenwart. Kornelius und seine Frau „Kornelia“ als postmoderne Menschen und Petrus als Vertreter zeitgenössischer Frömmigkeit.

Der Pastor, Autor und Journalist Malessa stellte sie dar mit ihrer „konfessionellen Heimatlosigkeit“, ihrer „Sehnsucht nach Spiritualität“ und dem „Ringen mit ihrem Gewissen“ in beruflicher und privater Verantwortung. So wurde der Bibeltext aus Apostelgeschichte 10 humorvoll und lebendig zur Herausforderung an die Teilnehmer.
Petrus habe vor einem großen Gewissensproblem gestanden. „Wie hätten Sie entschieden an Petrus´ Stelle?“ fragte Malessa die Zuhörer. Stramm jüdisch hätte bedeutet, er habe sich in jedem Fall verhört. Die subjektivistische Deutung hätte ihn zum „charismatischen Geist(er)fahrer“ gemacht. Real berichtet wird vom Geisteswirken beim Nachdenken: „Gesunder Menschenverstand kann geistinspiriert sein“. Malessa betonte, dass Christen die Bibel von hinten läsen, von Christus her, sonst wären sie orthodoxe Juden. In der Konsequenz hieße das für Petrus: „Steig herab in Milieus, die nicht dein Niveau sind!“. Es sei nicht die Frage, „ob der Heilige Geist zu Menschen spricht, die zwischen allen konfessionellen Stühlen sitzen und trotzdem eine spirituelle Sehnsucht haben, die sie nicht mehr verbalisieren können“, die Frage sei vielmehr, „ob wir es ihnen glauben.“
Kornelius und Petrus hätten etwas gemeinsam: Beide handeln ohne eine Genehmigung ihrer Heeresleitung oder ihrer Gemeinde. Sie überschreiten gemeinsam eine Grenze. Beide erzählen sich ihre Visionen – und stellen fest, dass sie kongruent sind! Erst jetzt im Nachhinein weiß Petrus, dass es nicht der „Zeitgeist“ war, der ihn verführt hat. Der Prediger, der auch Autor des Martin-Luther-King-Musicals ist, fragte die Besucher aus ganz Sachsen-Anhalt: „An welcher Stelle decken sich heute die Visionen? An welcher Stelle wollen ein nichtreligiöser Mensch und ich dasselbe?“
Bei Temperaturen von 38 Grad waren die Teilnehmer erstaunlich gut dabei und die Gemeinde ein bestens vorbereiteter Gastgeber. In Workshops vertiefte und diskutierte man weiter über die Frage, wie Christen heute „verstehbar hörend“ vom Glauben reden können.
Brigitte Neumeister, Gemeindereferentin der EFG Wittenberg, die Band der Gemeinde und die Mitglieder der Regionalleitung gestalteten diesen Tag froher Gemeinschaft der Gemeinden. Karl-Heinz Wegner bot dazu parallel für die Kinder ein spannendes Aktivprogramm an. Bewegend berichtete der Ruheständler Hans-Joachim Schwan, als „Alter Bär“ über die Indianerarbeit, die Freizeiten für Kinder von Strafgefangenen durchführt. Benno Braatz vom Dienstbereich Mission stellte sich als neuer Regionalbeauftragter vor. In die Regionalleitung neu gewählt wurde Hartmut Bick aus Quedlinburg. Jürgen Tischler vom Landesverband NOSA ermutigte die Gemeinden neue Wege zum Gespräch zu suchen und stellte das Projekt „TischGemeinschaft“ vor, dass gerade an diesem Sonntag im Landesverband in Löhne mit der Eventkirche unterwegs war.

Die Predigt von Andreas Malessa ist nur auf Anfrage beim Landesverband oder der Gemeinde als MP3 erhältlich.

Bericht: Jürgen Tischler, Springe
Fotos: Olaf Richelmann, Lutherstadt Wittenberg